IMO | Warum keine großen Rankgerüste zum Hitzeschutz in Städten?
Oftmals hört man wenn es um die Begrünung der Städte als Gegenmaßnahme zur Klimaerwärmung geht das dort zu wenig Platz ist und das Bäume zu lange zum Wachsen benötigen. Deshalb frage ich mich warum man nicht mit großen Spalierkonstruktionen arbeitet. welche auch die Straßen überspannen und daran wilden Wein wachsen lässt. Wilder Wein verdunstet ähnlich wie Bäume ziemlich viel Wasser, was zu einer ähnlichen Abkühlung wie bei Bäumen führt und bildet zugleich eine dichte Blätterschicht, die verhindert das die Sonne durchdringt und gilt als sehr wiederstandsfähig. Natürlich ist es notwendig die Pflanzen zumindest teilweise mit Wasser zu versorgen, aber das muss kein Trinkwasser sein.
Was meint Ihr?
#IMO #Klimawandel #Klimaresilienz #Städte #Spaliere #Spalierkonstruktionen #WilderWein #Abkühlung #Sonnenschutz #Frage @dach
Dies, und auch Sonnensegel, die die Straßen überspannen

Image: Street toldos in Calle Sierpes, Sevilla, Spain, 1918. Image in the public domain.
@Novocirab Da habe ich kürzlich auch mal was über ein Unternehmen gelesen das spezielle Sonnensegel entwickelt hat auf denen Moos wächst, die aber dann entsprechend mit Wasser versorgt werden müssen, dafür aber eine wesentlich bessere Abkühlung als normale Sonnensegel ermöglichen.
Sonnensegel, die sich zusätzlich erwärmen halten die aufgeheizte Luft unten. Ob das weise wäre?
Ähh… Und sonnenschirme funktionieren nicht weil es unter denen noch wärmer ist als in der prallen Sonne? Man nutzt verschattungs möglichkeiten damit es sich gar nicht erst so sehr aufheizen kann.
Sonnenschirma haben, anders als die abgebildete Straße hier drüber, nicht links und rechts Wände, die ein Strömen der Luft zur Seite erschweren.
Straßen haben dafür die Eigenschaft in zwei Richtungen zu verlaufen. Sprich dort offen für Luft zu sein. Oft genug gibt es sogar Platz zwischen gebäuden in alle Richtungen. Die Luft hat dementsprechend ja trotzdem genug Möglichkeit zu strömen. Zumal man so verschattungen nicht komplett dicht für Luft machen muss damit sie effektiv sind. Das was du da als Problem siehst ist kein Problem.
Windfelder und das örtliche Mikroklima machen die Luftzirkulation in einer Stadt etwas komplizierter als “die Straße ist aber doch an zwei Seiten noch offen”. Außerdem warf ich nur ein, dass die Hitze, die sich direkt unter einer verschattenden Oberfläche bildet (selbst dein beispielhafter Sonnenschirm wird sich aufgeheizt haben wenn du ihn nach ein paar Minuten in der Sonne anfasst) schwerer entweichen kann (schwerer, nicht “gar nicht”). Das was du als kein Problem beschreibst, seh ich nicht ganz so simpel, hab hier aber auch nichts weiter zu gewinnen und verabschiede darum an dieser Stelle dann mal.
Ich wohne in einem geplanten Stadtteil (70er). Fußgänger freundlich, fast durchgehend begrünt, Spielplätze, Brunnen, Mixed Use. Es ist schon echt nett ein Rankengerüst mit Sitzplätzen vor der Tür zu haben. Regelmäßig kommt die Stadt vorbei zum beschneiden etc
Es kostet und bedeutet dass die Stadtplanung es mit bedanken muss. Nachrüsten kostet. Aber ich finde es auch eine tolle Idee. Es lädt zum verweilen ein und es gibt bestimmt ein paar NIMBYs, die das stört. Das sind Orte, wo sich Menschen begegnen im öffentlichen Raum.
@RamenDame Eben so habe ich es auch erlebt, das es schöne Orte sind die zum Verweilen und zum Austausch einladen.
Fassaden lieben diesen Trick. Gewächse wie Wilder Wein verursachen massive Schäden an Fassaden. Der kriecht überall rein und sprengt die Verbindungen auf.
Dann hat man noch den Aspekt dass die Pflanzen mehr organisches Material auf die Straßen werfen. Was zu höheren Reinigungskosten führt.
Die Sache mit dem Wasser. Prinzipiell ja, Regenwasser geht da auch klar. Aber woher kommt’s? Die Tanklaster die aktuell die Bäume am Leben halten die wären dann mehr als ausgelastet.
Für eine deutsche Stadt denke ich schwierig. Dafür gibt’s bei uns zu viel Reglementierung und wenig Leute kämen auf die Idee den Bereich vorm Haus regelmäßig und unentgeltlich sauber zu halten wenn es doch die Stadtverwaltung tun sollte. Und wie viel Geld die dafür über haben?
Zum Kühleffekt: ja existiert. Ob man dann 30°C und 50% Luftfeuchtigkeit gegen 28°C und 85% Luftfeuchtigkeit eintauscht wäre jetzt die Frage. Man muss hier ja bedenken: man beschattet nicht partiell einen Hinterhof und die Feuchtigkeit verteilt sich über die Luft sondern man hat mit so großen Maßnahmen auch eine große Fläche eingebunden.
Gewächse wie Wilder Wein verursachen massive Schäden an Fassaden. Der kriecht überall rein und sprengt die Verbindungen auf.
Wilder Wein (oder Efeu) ist ein Selbstklimmer, der mit Haftscheiben haftet. Auf fugenlosen Fassaden ist das unproblematisch. Selbst das denkmalgeschützte Fernsprechamt in Hamburg ist eine Klinkerfassade, die zu großen Teilen mit Wein bewachsen ist: https://de.wikipedia.org/wiki/Fernsprechamt_Schlüterstraße
Die Sache mit dem Wasser. Prinzipiell ja, Regenwasser geht da auch klar. Aber woher kommt’s?
Wilder Wein wurzelt sehr tief und ist dementsprechend trockenresistent.
Mit entsprechender Verseilung funktionieren auch Schlingklimmer wie Blauregen.
Die Stadt Hamburg zum Beispiel berät zu dem Thema und zeigt unterschiedliche Möglichkeiten auf: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bukea/themen/hamburgs-gruen/gruendach-und-gruene-fassaden/gruene-fassaden/wie-plane-ich-eine-fassadenbegruenung-281610 Dort hält sich die Reglementierung in Grenzen. Organisches Material ist so oder so im Herbst in rauen Mengen vorhanden.
Ergänzend ist gerade in Städten ein “kletterbares” Haus auch eins, wo einfacher schnell eingebrochen werden kann.
Wirklich schade, dass das ein Faktor ist.
@Asinus @HansGruber Dann muss man es entsprechend absichern. Und ja wirklich bescheiden das wir in einer Welt leben in der es ein Faktor ist.
Fassaden lieben diesen Trick. Gewächse wie Wilder Wein verursachen massive Schäden an Fassaden. Der kriecht überall rein und sprengt die Verbindungen auf.
Da weißt Du anscheinend mehr als die die sich beruflich damit beschäftigen.
Der Herr spricht von der reinen Fassade. Was ja auch stimmt. Solange die Fassade intakt ist und die Pflanze keine Löcher wie Fenster, Fassadenrisse oder die Traufe nicht erreicht ist alles in Ordnung.
Wächst der Wein mal bis ins Dach hebt der dir die Dachplatten an. Hat die Fassade einen Riss, wachsen dort die Wurzeln rein und sprengen den Putz ab. Ich hab in den letzten Jahren ausreichend alte Gebäude gesehen bei denen man den Wein/Efeu wachsen hat lassen.
Bezüglich des Videos dazu: wenn jemand sagt es sei “a bisserl a Mythos” und anschließend nur von den Saugnäpfen spricht die an der Fassade kleben, das Wurzelwerk jedoch völlig ignoriert, der hat für mich wenig den Thema beigetragen.
Bedenkt man dass wir von einer Stadt sprechen haben wir alles mögliche an Fassaden. Vom Sandsteinklinker, gefliest, Zementputz, Holz etc. Dazu gibt’s noch nicht dichte Fensterlaibungen, Fensterrahmen mit Entwässerungsschlitz, Rolladenkästen, Dunstabzüge, hinterlüftete Fassaden, die machen mit Efeu richtig Spaß, da muss der sich nicht mal anstrengen um alles zu bewohnen. Heißt man muss den regelmäßig frei halten. Das ist richtig schön Arbeit.
Das ist jetzt vielleicht etwas flappsig aber ich würde selbst einem Baumarkt hier mehr Beweislast zusprechen als einem Facebook Video mit 4 Kommentaren die ich nicht lesen kann. Hier https://toom.de/selbermachen/garten-freizeit/gartenpflege/gartentipps/efeu-entfernen/
@HansGruber Und wie kommst Du darauf das es bei regelmäßiger Kontrolle und Pflege soweit kommt?
Weiß nicht… Frag doch mal bei deiner Gemeinde nach wie bereit die sind in einen solchen Hitzeschutz zu investieren. Das scheitert hierzulande doch schon daran dass man die paar Bäume auf’m Marktplatz erhält oder gar neue pflanzt. Meine Gemeinde hat sich bei der Planung des Rathausplatzes nicht zu Baumbestand hinreißen lassen weil: sind im Weg bei Veranstaltungen, man ist dafür verantwortlich, Pflege kostet Geld und machen Dreck. Wir haben jetzt: Sträucher in Betonkübel. Dass man die Dinger regelmäßig gießen muss und das auch Geld kostet… Konnte ja keiner ahnen. Aber man kann sie bei einer Veranstaltung vom Bauhof woanders hin bringen lassen.
Long story short: wenn den Gemeinden Bäume bereits zu viel Aufwand ist, dann wird exzessiv wilden Wein pflanzen eher keine Erfolgsstory werden.
@HansGruber Jo das Problem existiert bei Gebäuden bei manchen Pflanzenarten. Deshalb sollten Rankhilfen einen gewissen Abstand zum Mauerwerk haben, was dann bzw. Zu einen noch besseren Mikroklima um die Gebäude führt als wenn man das direkt an die Wände macht. Man wird was die Wasserversorgung betrifft kurz bis mittelfristig nicht darum herum kommen Leitungen zu legen, den ja auf Dauer ist das mit Tanklastern so oder so nicht machbar. Der Kühleffekt ist sehr stark spürbar und dazu gibt es inzwischen auch einiges an Studien. Die Luftfeuchtigkeit war dabei bisher meines Wissens nicht das Problem.
das klingt erst einmal sehr gut finde ich. fragen sind noch offen wegen brandschutz (was wenn das brennt? ist ja alles holzkonstruktion), sichtbehinderung für den straßenverkehr (teilbeschattung könnte irritierend wirken?) etc. aber ich glaube dass man das einfach mal versuchen sollte.
@gandalf_der_13te Ja das gängige sind Holzkonstruktionen, muss aber nicht. Man kann auch andere Materialien verwenden.
Gibt es im Kleinen, mit Moos, oder Ranken.
z.B. in Goslar
Muss nur angeschafft werden.Angeschaft und gepflegt!
Brauchen Mooswände nicht z. B. inkludierte Bewässerungsanlagen um nach einem heißen Sommertag nicht vor die Hunde zu gehen? (Ernsthaft frag, da ich die Antwort darauf nicht kenne.)
Ja, brauchen sie. Selbst die Ranken-Banken in Goslar haben eine interne Bewässerung. Gut finde ich bei denen, dass die Sonnensegel das Regenwasser zum Bewässerungsystem leiten. Und auch deren Rankpflanzen halte ich für dauerhafter, als Moos.
https://www.goslar.de/stadt-und-verwaltung/aktuelles/blog-der-oberbuergermeisterin/blog/aktuellster-blogeintragJa, brauchen sie. Das macht sie zur aufwändigsten Lösung, weil die Bewässerung (meist mit Regenzisterne) im Neubau eingeplant werden muss. Rankpflanzen sind weniger aufwändig. Mein Link oben im anderen Kommentar gibt eine Aufschlüsselung.
👍 Hatte bisher keine Zeit/Muße, dem Link zu folgen. Hole das gleich nach. 🙂
Ich seh jede Menge kaputte Moos-Wände oder -Kästen. Ich vermute mal, der (das?) Moos hat einfach nicht so viele Reserven?
Das hängt vom verwendeten Moos ab, wie es mit Trockenheit umgeht: https://de.wikipedia.org/wiki/Moose#Ökologie Teilweise können Arten auch noch lange Zeit ohne Wasser überleben.
Das große Problem aus meiner Sicht: Du willst den Sonnenschutz im Sommer, aber eben nicht im Winter. Im Sommer willst du deine Straße ja kühl, aber im Winter dann nicht duster. Und unsere Straßen sind ja nicht einfach nur Asphalt, sondern da drunter ist haufenweise Zeugs und daher ist es in vielen Ecken auch sehr kritisch, wenn man plötzlich irgendwas neben deiner Glasfaserleistung pflanzt.
@muelltonne Das Risiko das es zur Kolission von Versorgungsleitungen kommt existiert immer. Allein schon deshalb weil man die Leitungen schon seit sehr langer Zeit kreuz und quer legt. Aber da muss ich sagen das mir persönlich eine Stadt in der erträgliche Temperaturen herrschen wichtiger als hin und wieder eine Kollision mit Versorgungsleitungen wäre.
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