Ich finde nachvollziehbar, dass Beziehungen ganz plump evolutionär Sinn machen. Daher glaube ich auch, dass man das Problem der Einsamkeit nicht darauf schieben kann, dass rein die gesellschaftliche Erwartung zur Einsamkeit führt. Zwar haben wir es in modernen Gesellschaften geschafft, über Fortpflanzung und Kindeserziehung hinaus Beziehungen zu etablieren, die zudem „unnötig“ (aus biologischer Sicht) lange halten. Aber meiner Meinung nach bleibt biologisch in uns verankert der Wunsch nach einer festen Bindung mit einer Person. In der besten Freundschaft kommt eben auch der Punkt, an dem Du alleine im Bett liegst oder Freundin Nr. 2 genau so wichtig für deine beste Freundin ist, wie Du.
Wir sollten aufpassen, nicht jedes „alte“ Konzept als exotisch sehen zu wollen, nur weil wir in einer schnelllebigen Zeit leben. Vielleicht genau aus dem Grund.
Es geht doch um Beziehungen. Egal, ob die in größere oder kleinere Gruppen eingebunden sind. Auch mit einer Kleingruppe von 30 Personen wird das Individuum nach einer Beziehung suchen, auch wenn eine solche Gruppe erstmal besser auffängt.
Auch heute ist es nicht die Regel, dass sich ein Paar abkapselt und nicht in Freundes- und Bekanntenkreise eingebunden ist. Aber die sind eben kein 1:1 Ersatz für Beziehungen.
Ich habe ja angemerkt, dass wir über Zeugung und Kinderversorgung hinaus Beziehungen entwickelt haben. Aber willst Du als Kritik an den Ergebnissen der Studie jetzt wirklich argumentieren, dass wir nichts weiter zum Glücklichsein brauchen, als eine Gruppe von Neandertalern damals hatte?