Essay von Anne Brorhilker
Wirtschaftskriminalität wirksam zu bekämpfen, könnte den Fiskus massiv erleichtern. Um das zu ermöglichen, ist auch ein Umdenken notwendig.
Essay von Anne Brorhilker
Wirtschaftskriminalität wirksam zu bekämpfen, könnte den Fiskus massiv erleichtern. Um das zu ermöglichen, ist auch ein Umdenken notwendig.
Moskau hat sich maximal verschätzt, wie sehr die Ukraine unterstützt wird. Wenn wir die Verteidigung ohne USA kalkulieren, und stärker sind, dann wird Moskau den Fehler nicht machen.
Oder anders, wenn unser Ziel ist, dass Moskau weiss, dass wir uns verteidigen können, wo ist dann die öffentliche Aufstellung, die es Moskau vorrechnet?
Statt dessen gibt es diese diffuse Angstmacherei, mit der die Aufrüstung vor der Bevölkerung begründet wird. Zusammen mit den Internetüberwachungsgesetzen und dem kontraproduktiven, aufbauenden Umgang mit unserer rechtsextremen Partei ergibt sich für mich ein Ziel, auf das wir langsam zusteuern.
“Stärker sein” geht nicht ohne entsprechende Aufrüstung. Abschreckung ist keine öffentliche Erklärung oder Pressemitteilung, sondern sichtbare militärische Ausrüstung und Fähigkeiten, Munitionsvorräte und industrielle Kapazitäten.
Die Presseerklärung kann natürlich keine Lüge sein, aber wie sonst sollen die Fähigkeiten sichtbar gemacht werden?
Selbst kaufkraftbereinigt hängt Russland uns nicht ab. Die Kapazitäten unseres Exports sind deutlich größer. Unsere Waffenvorräte sind größer.
Wir machen die zusätzliche Aufrüstung also nicht zur Abschreckung Russlands.
https://www.produktion.de/ruestung-aerospace/ruestung-das-sind-die-10-laender-mit-den-hoechsten-exporten/1702912
https://www.mitwelt.org/militaerausgaben-ruestungsausgaben-deutschland-nato-russland-vergleich
Selbst kaufkraftbereinigt sieht alles gut aus. 1% Unterschied ist ein Messfehler.
https://www.manager-magazin.de/politik/verteidigung-von-europa-russland-investiert-mehr-in-ruestung-als-europa-a-85878196-3ff7-403e-9078-a601f1ab0cc6
Russland braucht die Ausgaben aber für einen aktiven Krieg während die Finanzierung der Ukraine wahrscheinlich in anderen Budgets steckt.
Du argumentierst gegen den Punkt, wir hätten quantitativ nicht genügend Panzer oder Flugzeuge. Das hat hier keiner gesagt. Stattdessen reden wir über Fähigkeitenlücken, die du weiter oben finden kannst. Ein Panzer ohne eigenständige Logistik und Führung, ohne umfangreiche Munitionsvorräte und ohne Luftunterstützung ist lediglich ein Ziel, keine Abschreckung. Papierbestände dürfen nicht mit Kampfbereitschaft verwechselt werden. Wir rüsten auf, um diese kritischen Lücken zu schließen, nicht um Tabellen zu füllen. Russland hat auf Kriegswirtschaft umgestellt und produziert rund um die Uhr Millionen von Geschossen, Drohnen, Raketen,… Europas Rüstungsindustrie und Munitionsvorräte befinden sich auf Friedensniveau. Bei der Aufrüstung geht es darum, diese industrielle Kapazität anzupassen, damit die Abschreckung nicht versagt.
Gegenüber den USA. Die Fähigkeiten machen den Krieg einfacher, sind aber gegen Russland nicht essentiell.
Die man ja mal gezielt auflisten könnte, statt sie nur zu verkünden.
Genau, nur Geschosse, Drohnen, Raketen. Angeblich haben sie nicht einmal die Fähigkeiten, die Flugzeuge zu ersetzen, die beim legendären Drohnenangriff im Herzen Russlands zerstört wurden.
Russland baut Waffen für einen Stellungskrieg, der durch Luftüberlegenheit der EU so nicht geführt wird.
Und selbst auf den Stellungskrieg konnten wir uns kurzfristig einstellen:
https://www.businessinsider.de/wirtschaft/11-millionen-granaten-pro-jahr-deutschland-ueberholt-us-produktion/
Russland produziert mehr, aber die Eroberungen der Ukraine zeigen, dass es nicht präzise genug ist.
Russlands Geschosse sind nicht so präzise und die Zahl enthält weitere Munition.
Wenn es zum Stellungskrieg kommt brauchen wir eine Drohnenproduktion: Glasfaser, Chips, Elektromotoren, Software. Um das eigenständig aufzubauen braucht es Chips, aber wir haben nicht einmal eigene DRAMs, geschweige denn CPUs oder AI Prozessoren oder AI Betriebssysteme. Wenn China eingreift und Korea und Taiwan isolieren kann, dann haben wir nur noch, was die USA liefert.
Wir investieren aber in schweres Gerät. Das spricht für mich dafür, dass es nicht primär um Abschreckung geht und erst recht nicht um eine Autonomie von den USA.
Da hast du etwas falsch verstanden: relevant sind diese Fähigkeitenlücken, weil unsere gesamte Verteidigung mit diesen Fähigkeiten im Sinn aufgebaut wurde. Stell es dir wie ein Haus vor, das man zusammen im Verbund gebaut hat. Fallen diese Fähigkeiten weg, fehlen dem Haus entscheidende Punkte in der Statik - denn wenn du dir diese Fähigkeiten anschaust, sind das alles Kernfähigkeiten.
Tragende Elemente wie C4ISR, unabhängige Logistik und SEAD als “nicht essentiell” abzutun, deutet eher darauf hin, dass du nicht wirklich “in good faith” über tatsächliche Militärstrategie diskutieren willst. Ein Militär ohne Elektronik ist blind, ohne SEAD hat es keine Luftüberlegenheit, ohne Logistik steht es still. Die Verlagerung des Arguments von “Europa muss sich nicht wiederbewaffnen” hin zu “Europa kauft die falsche Ausrüstung” zeigt, dass du europäischer Wiederbewaffnung unabhängig der strategischen Realität entgegenstehen möchtest. Wenn du deine persönliche Meinung gegen jegliche Argumente immunisiert hast, ist das deine Sache, aber worüber willst du hier dann eigentlich diskutieren?
Abschließend, deine Ursprungsfrage:
Die Erklärung hast du hiermit bekommen, in Form der Fähigkeiten, die ohne die Amerikaner wegfallen.
Macht Sinn, wird aber nicht 800 Milliarden kosten. Entwickeln wir das jetzt? Wenn nicht, erübrigt sich jede weitere Diskussion weil wir dann bereit sind, als EU völlig abhängig zu sein und der Bruch mit der USA nur Fassade ist.
Die einzelnen Armeen sollten aber doch eigene Lösungen bereits haben.
Bleibe ich bei meiner Meinung, dass wir für einen Verteidigungskrieg nicht die US Angriffskriegslogistik brauchen.
Ok, eine Lücke, die die EU entwickeln muss, um völlig unabhängig zu sein. Die Waffen werden wir trotzdem im Bestand haben und weiter in den USA kaufen können für einen Krieg mit Russland.
https://de.wikipedia.org/wiki/Suppression_of_Enemy_Air_Defences
Ähnlich wie Logistik brauchen wir nur begrenzt die Waffen, wenn wir einen Verteidigungskrieg führen und nicht vorhaben, Russland im Gegenzug zu erobern. Die Marschflugkörper zum Erreichen der Stellungen in Grenznähe haben wir.
Wenn man Wikipedia-Artikel zitiert, sollte man sie auch zu Ende lesen. Die von dir genannte ALARM wurde 2013 ausgemustert, die Martel bereits in den 90ern. Frankreich entwickelt gerade erst eine neue Variante, weil man erkannt hat, dass hier die eigenen Fähigkeiten seit Ende des Kalten Krieges zu kurz gekommen sind. Europa ist in diesem Bereich nahezu vollständig von den Amis / deren AGM-88 HARM abhängig. SEAD als “Angriffswaffe” abzutun, zeugt von fehlendem militärischen Grundverständnis. Russische S-400-Systeme in Kaliningrad oder Belarus reichen hunderte Kilometer weit. Ohne SEAD können europäische Jets also nicht mal den eigenen Luftraum über Polen oder dem Baltikum verteidigen, ohne abgeschossen zu werden. Logistik: es geht nicht um den Marsch auf Moskau. Wenn Europa angegriffen wird, müssen Truppen, Panzer, Millionen Schuss Munition, etc, aus Spanien, Frankreich, … rasend schenll an die Ostflanke verlegt werden. Das erfordert massive strategische Transportkapazitäten, die momentan, wenig überraschend, durch die Amis gestellt werden.
Also, kannst du die Fähigkeitenlücken jetzt akzeptieren, oder geht es weiter?
Richtig, hab das auch schon korrigiert gehabt.
Wir haben die Waffen im Bestand:
https://de.wikipedia.org/wiki/AGM-88_HARM
Marschflugkörper auch.
Weil der Russe heimlich eine Angriffsarmee aufbauen kann?
Die Russen werden ihre Truppen mit dem Zug dort hinbringen und wir werden das dann auch tun, und mit Lastern. So ein Aufmarsch dauert ein paar Tage.
Und da wir auf Luftüberlegenheit setzen, werden die Kampfflieger sowieso von überall in Europa starten wie beim Irankrieg.
Solange Russland keine besseren Luft-Luft-Raketen hat, mache ich mir keine Sorgen.