ganzer text aus der firefix leseansicht kopiert.
www.spektrum.de Der unangenehme Sex-Trend, der Fachleuten Sorgen macht Lars Fischer 7 - 8 Minuten
Beim Karneval werden nicht nur Fröhlichkeit, Alkohol und Kamellen unter die Leute gebracht – sondern auch Geschlechtskrankheiten. Jedes Jahr nach der »fünften Jahreszeit« registrieren Fachleute deutlich mehr entsprechende Arztbesuche. Chlamydien, Herpes und Co. verbreiten sich zwar keineswegs nur bei derlei großen Festivitäten, doch der Karneval wirft ein Schlaglicht auf ein wachsendes, unterschätztes Problem. Seit Jahren nämlich nehmen sexuell übertragbare Krankheiten zu.
Besonders deutlich sind die Anstiege bei Syphilis und Gonorrhö, zwei potenziell gefährlichen Krankheiten, die lange Zeit der Vergangenheit anzugehören schienen. Nahezu 10 000 Menschen erkrankten 2024 in Deutschland an der Syphilis, beinahe doppelt so viele wie 2013. Im Fall der vom Bakterium Neisseria gonorrhoeae ausgelösten Gonorrhö gibt es in Deutschland bisher keine zuverlässigen Zahlen – doch innerhalb der EU stiegen die Fälle allein im Jahr 2024 um 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Ein Teil des Anstiegs geht auf häufigere Tests und bessere Überwachung zurück, doch die Infektionen nehmen auch real zu. Dass die Zahlen steigen, ist nämlich nur eine der Entwicklungen, die Fachleuten Sorgen machen. Eine andere zeigt sich bei der Syphilis am deutlichsten: Betroffen sind längst nicht mehr nur die bekannten Risikogruppen. Lange Zeit nämlich betrafen die hohen Anstiege fast ausschließlich Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) – eine vielfältige, aber ungewöhnlich eng vernetzte Bevölkerungsgruppe, in der sich sexuell übertragbare Erkrankungen leichter verbreiten. Verbreitung jenseits der Risikogruppen
Doch inzwischen deutet sich an, dass sich die Syphilis, verursacht vom Bakterium Treponema pallidum, auch in der Allgemeinbevölkerung wieder verbreiten könnte. Inzwischen nämlich sinkt in fast allen Industrieländern der Anteil von MSM an den Syphilisinfektionen, während heterosexuelle Übertragungen zunehmen. Das drastischste Beispiel für diesen Trend kommt aus Japan und gilt als dringendes Warnsignal für andere Länder. Dort hatten sich die Infektionen bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren binnen nur drei Jahren beinahe verdreifacht. Und während die Krankheit bei Erwachsenen gut zu behandeln ist, kann sie in der Schwangerschaft zu Fehlgeburten und schweren Gesundheitsschäden beim Baby führen.
Das gleiche Bild zeigt sich – dort, wo man Zahlen hat – bei der Gonorrhö, die ebenfalls immer häufiger durch heterosexuelle Kontakte übertragen wird. Auch Gonorrhö ist besonders während der Schwangerschaft gefährlich, sie kann unter anderem Fehlgeburten verursachen. Deswegen und weil die Allgemeinbevölkerung über Geschlechtskrankheiten deutlich schlechter aufgeklärt ist als Mitglieder der MSM-Community, gelten die steigenden Fallzahlen unter heterosexuellen Menschen als drängendes Problem.
Je weiter die Zahlen steigen, desto größer wird das Risiko, dass auch die bisher extrem seltenen Komplikationen in der Schwangerschaft merklich zunehmen. Dass die Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten zunehmen, dafür gibt es mehrere Gründe.
Eine wichtige Rolle spielt dabei eine Krankheit, die in den letzten Jahrzehnten alle anderen Geschlechtskrankheiten überstrahlte: HIV. Die drastisch gesunkene Gefahr durch das pandemische Virus hat erhebliche Auswirkungen auch auf andere Krankheiten. In der Hochphase der HIV-Ausbreitung haben Kondome und andere Techniken nicht nur vor diesem Virus, sondern quasi nebenher auch vor anderen Infektionen geschützt. Dieser Trittbrettfahrer-Effekt gilt heute nicht mehr. Das Sexualverhalten wird riskanter
Moderne Medikamente, Tests und Konzepte wie die Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die effektiv verhindern, dass Infizierte das Virus übertragen, lassen andere Präventionstechniken unnötig erscheinen. Jüngeren Leuten, die keine eigene Erinnerung mehr an die Hochphase der HIV-Epidemie haben, erscheinen sexuell übertragbare Erkrankungen ohnehin oft weniger gefährlich.
Mehrere andere Effekte führen ebenfalls dazu, dass sich Menschen seltener schützen – gerade auf Veranstaltungen wie dem Karneval, wo Prävention bei spontanen sexuellen Kontakten ohnehin eine geringere Rolle spielt. So haben Kondome als Schutz vor ungewollten Schwangerschaften weithin an Bedeutung verloren. Parallel steigt die Bereitschaft zu riskantem sexuellem Verhalten. Bewusstseinsverändernde Substanzen beim Sex, eine immer verbreiteter werdende Kombination, sind etwa mit häufigeren Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten verbunden.
Zu wachsenden Zahlen tragen daneben auch Veränderungen im Verhalten bei. Fachleute sehen hier vor allem Dating-Apps als wesentlichen Faktor. Diese erleichtern einerseits sexuelle Kontakte und erhöhen so auch ihre Zahl, andererseits machen sie Kontakte jenseits des eigenen sozialen Umfelds möglich. Zusammen mit dem Trend zu allgemein riskanterem Sex verschaffen solche Effekte Geschlechtskrankheiten eine größere Reichweite auch außerhalb von Risikogruppen. Antibiotikaresistenzen
Und die Wahrnehmung solcher Infektionskrankheiten als harmlos ist eben nur das – eine Wahrnehmung, die viel damit zu tun hatte, dass diese Krankheiten selten waren. Neben den unterschätzten Gefahren besonders in der Schwangerschaft droht auch gesunden Erwachsenen eine unerfreuliche Überraschung. Bei den von Bakterien ausgelösten, normalerweise gut behandelbaren Krankheiten Syphilis und Gonorrhö treten immer häufiger Antibiotikaresistenzen auf, die die Behandlung verlängern können.
Insbesondere bei Neisseria gonorrhoeae sind Resistenzen in Deutschland inzwischen ein großes Problem, wie das Robert Koch-Institut berichtet. 2025 infizierten sich drei Männer in Nordrhein-Westfalen mit einer Variante des Erregers, die gegen alle für die Behandlung wichtigen Antibiotika mindestens teilweise resistent war.
All diese Faktoren tragen dazu bei, dass an Festen wie Karneval, aber auch in Feiertagsperioden um Weihnachten oder bei Ereignissen wie Festivals die Gefahr durch unerwünschte Gäste in der Unterhose steigt. Die Infektionen nehmen zu, Resistenzen gegen Antibiotika werden häufiger, und das Problem betrifft inzwischen auch mehr Menschen jenseits der klassischen Risikogruppen. Grund genug, auch beim Feiern gelegentlich an Geschlechtskrankheiten zu denken. Eine gute Nachricht gibt es immerhin: Filzläuse werden im 21. Jahrhundert immer seltener, weil Praktiken wie Waxing ihren Lebensraum bedrohen.
geht nicht um sowas beklopptes wie bugchasing sondern um sowas beklopptes wie keine Kondome zu verwenden, beim Sex mit Leuten die man kaum kennt, weil Geschlechtskrankheiten scheinbar als nicht so schlimm angesehen werden.
Leute, nutzt Lümmeltüten keine Geschlechtskrankheit macht spaß und ohne Absicht schwanger zu werden, ist mit Kondom auch ne ganze ecke schwerer.